Jede Operation ist mit einem gewissen Risiko verbunden, über das der Patient im Vorfeld aufgeklärt werden muss. Trotz größter Sorgfalt und wichtigen Vorsichtsmaßnahmen kommt es in manchen Fällen zu Komplikationen während der OP, an welchen nicht immer der operierende Arzt schuld sein muss. Doch wer haftet in einem solchen Fall für die gesundheitlichen Schäden, die der Patient davongetragen hat? Darüber musste das Oberlandesgericht Hamm entscheiden.

Hodenschäden nach OP

Geklagt hatte ein Patient, der im Februar  2007 in einer Klinik in Haltern an der Leiste operiert worden war, da er dort an Schmerzen aufgrund von beidseitigen Brüchen litt. Nach der OP klagte der Patient über Hämatome und Schwellungen im Bereich der Hoden. Diese versorgte man zunächst konservativ. Im gleichen Jahr wurde ihm in einer anderen Klinik während einer Operation der rechte Hoden entfernt. Der linke Hoden verblieb, dieser war jedoch ebenfalls geschädigt. Daraufhin verklagte der Patient den Krankenhausträger, da er sowohl bei als auch nach der Leistenbruchoperation fehlerhaft versorgt und zudem lediglich unzureichend über die Risiken aufgeklärt worden sei. Aus diesem Grund fordert der Patient vom Krankenhausträger Schadensersatz, darunter ein Schmerzensgeld von 120.000 Euro.

Kein ärztlicher Behandlungsfehler

Die Klage blieb erfolglos. Der medizinische Sachverständige konnte keinen Behandlungsfehler feststellen. Die Operation sowie die operative Nachsorgen im Krankenhaus wurden fehlerfrei durchgeführt. Zudem habe der Kläger wirksam in die Operation eingewilligt, nachdem er ausreichend über die Risiken, auch die einer Hodenschädigung, aufgeklärt worden sei. Demnach kann der Patient keinen Schadensersatz fordern.

 

  • Quelle: Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Hamm vom 28. Februar 2014; AZ: 3 U 17/12