Grober Befunderhebungsfehler

Verfasst von am 4. September 2015 in Medizinrecht

Dass Ärzte auch Fehler machen können, musste die Patientin im vorliegenden Fall am eigenen Leib erfahren.

Patientin litt unter Kreislaufproblemen

Eine Frau – geboren 1986 – aus dem Kreis Minden-Lübbecke litt unter einer krankhaften Fettsucht sowie einem starken Nikotinmissbrauch. Bei einer Untersuchung im September 2001 stellte die behandelnde Hausärztin einen merklich erhöhten Blutdruck fest und wies die Patientin und ihre Mutter auf die Notwendigkeit einer Blutdruckkontrolle hin. Da der Blutdruck weiterhin erhöht blieb und die junge Patientin aufgrund von Kreislaufproblemen viermal ohnmächtig geworden war, stellte die Hausärztin eine Überweisung zum Internisten bzw. Kardiologen aus.

Nierenleiden zu spät erkannt

Zwar bot die Ärztin weitere Blutdruckkontrollen an, jedoch versäumte sie es die Blut- und Nierenwerte der jungen Frau zu untersuchen. Erst nach der Behandlung durch  die Hausärztin wurden bei der Patientin beidseitige Schrumpfnieren diagnostiziert. In Folge dieses Befunds musste sich die Frau 53 Operationen unterziehen und wurde schließlich dialysepflichtig. Daraufhin verklagte die Patientin ihre Hausärztin auf Schmerzensgeld in Höhe von 200.000 Euro. Durch die unzureichende Untersuchung der Ärztin sei ihr  Nierenleiden viel zu spät diagnostiziert worden.

Hausärztin hätte energischer vorgehen müssen

Das Oberlandesgericht Hamm entschied nach Prüfung des Falls durch medizinische Sachverständige zugunsten der Klägerin und sprach dieser das geforderte Schmerzensgeld in Höhe von 200.000 Euro zu. Die beklagte Hausärztin habe es versäumt, die Ursache für den Bluthochdruck der Patientin weiter abzuklären. Zudem hätte die Beklagte spätestens nach den Schwächeanfällen der Patientin energischer vorgehen und den Eltern der jungen Patientin die Dringlichkeit der Lage verdeutlichen müssen.

Befunderhebungsfehler verursachte zeitliche Verzögerung

Der grobe Befunderhebungsfehler der Beklagten habe zu einer zeitlichen Verzögerung der Behandlung geführt. Bei einer rechtzeitigen Diagnose hätte zumindest noch eine geringe Aussicht auf Heilung bestanden. Die Höhe des Schmerzensgeldes begründe sich aus dem langen Krankheitsverlauf, der erschwerten Behandlung und der dauerhaften Dialysepflicht der jungen Patientin.

  • Quelle: Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Hamm vom 03.07.2015, AZ: 26 U 104/14