Hautkrebs zu spät erkannt

Verfasst von am 11. Januar 2016 in Medizinrecht

Eine Gemeinschaftspraxis von Hautärzten muss einer Patientin aufgrund eines groben Behandlungsfehlers 100.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Die Frau ist mittlerweile verstorben.

Verfärbter Zehennagel wird falsch behandelt

Eine 1954 geborene Frau suchte im August 2009 eine Gemeinschaftspraxis von Hautärzten auf, da sich ihr Zehennagel nach einer Stoßverletzung blau verfärbt hatte. Der behandelnde Arzt vermutete einen Bluterguss und forderte die Patientin auf, eine Nagelprobe für eine histologische Untersuchung einzureichen. Nachdem einer der beklagten Ärzte der Frau telefonisch mitgeteilt hatte, dass die Untersuchung lediglich eine bakterielle Infektion des Nagels nachgewiesen habe, kam es zu keiner weiteren dermatologischen Behandlung mehr.

Patientin stirbt an Krebserkrankung

Da der Zehennagel nach einem Jahr immer noch verfärbt war, suchte die Patientin einen anderen Arzt auf. Dieser vermutete eine Krebserkrankung und leitete weitere Untersuchungen ein, die seinen Anfangsverdacht schließlich bestätigten. Daraufhin verklagte die Frau die behandelnden Ärzte aus der Gemeinschaftspraxis, weil diese ihre Krebserkrankung nicht rechtzeitig diagnostiziert hatten. Nachdem sowohl ihre Lunge als auch ihre Lymphknoten von Metastasen befallen waren, verstarb die Patientin im Dezember 2013 an den Folgen ihrer Krebserkrankung. Ihr Ehemann führte den Prozess seiner Frau weiter und forderte unter anderem ein Schmerzensgeld in Höhe von 100.000 Euro.

Was hätte der Arzt tun müssen?

Das Oberlandesgericht Hamm entschied zugunsten des Klägers. Auch wenn die Patientin zunächst ihre Stoßverletzung als Grund für die Verfärbung gehalten hatte, hätte der Arzt zusätzlich eine Differenzialdiagnose stellen müssen, um eine Hautkrebserkrankung ausschließen zu können. Weiterhin hätte der Arzt nicht seiner Patientin die Entscheidung überlassen dürfen, an welcher Stelle die Nagelprobe entnommen werden sollte. Auf diese Weise sei die Probe nämlich nicht im Bereich des Melanoms entnommen worden. Da der Beklagte seiner Patientin auch nicht nahegelegt hatte, weitere Untersuchungen durchführen zu lassen, habe er einen groben Behandlungsfehler begangen. Wäre die Krebserkrankung rechtzeitig entdeckt worden, hätte die Frau nach einer Amputation des Zehengrundgliedes eine hypothetische Chance auf eine vollständige Heilung gehabt.

  • Quelle: Pressemitteilung des Oberlandesgericht Hamm vom 27.10.2015, AZ: 26 U 63/15